AG gründen in der Schweiz: die vollständige Checkliste

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Möchten Sie eine AG gründen? Bevor Sie anfangen, finden Sie hier alles, was Sie über diese äusserst beliebte Unternehmensform wissen müssen.

In der Schweiz ist die Aktiengesellschaft die gebräuchlichste Rechtsform, zusammen mit der Einzelfirma. Sie kann von einer oder mehreren natürlichen oder juristischen Personen gegründet werden. Sie möchten eine Aktiengesellschaft gründen? Bevor Sie beginnen, lassen Sie uns die Vor- und Nachteile dieser Rechtsform betrachten und auch erörtern, inwieweit die AG an Ihre unternehmerischen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Schliesslich stellt sich die Frage, welches die wesentlichen Schritte sind, um Ihr Unternehmen auf den Weg zu bringen.

Lassen Sie uns diese Rechtsform der Aktiengesellschaft näher betrachten!


Warum eine AG gründen?

Da bei einer Aktiengesellschaft das Aktienkapital höher ist, als bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, ist das Kapital, welches für das Unternehmen Dritten gegenüber eine Garantiefunktion hat, höher.

Um zu wissen, ob diese Rechtsform zu Ihre unternehmerischen Tätigkeit passt, ist es unumgänglich, Umsatzprognosen zu stellen und zu analysieren, ob es für die Tätigkeit wesentlich ist, mit Dritten wie Lieferanten oder anderen Geschäftspartnern in Regem Kontakt zu stehen. Es kann in diesem Fall sinnvoller sein, sich für die Gründung einer Aktiengesellschaft zu entscheiden als für eine GmbH.

Wenn Sie darüber hinaus eine rasche Entwicklung Ihrer Tätigkeit planen, die ausländische Mittel erfordert, ist es in der Tat interessant, sich dieser Rechtsform zuzuwenden. Insbesondere, wenn Banken, Investoren oder ein Eintritt von weiteren Aktionären geplant ist: Wenn die Intervention Dritter für die Entwicklung Ihrer Tätigkeit unerlässlich ist, ist diese Rechtsform besonders gut geeignet.


Die Vorteile der Aktiengesellschaft

Wenn Sie eine Aktiengesellschaft gründen, können Sie Ihren Firmennamen frei wählen. Entscheiden Sie sich Ihren Nachnamen in den Unternehmensnamen miteinzubeziehen, ist es lediglich vorgeschrieben den Zusatz "AG" hinzufügen. Auch nach der Gründung ist es durchaus noch möglich, den Namen Ihres Unternehmens nach der Gründung zu ändern. Dazu ist eine Statutenänderung durch die Mitgliederversammlung erforderlich. Es handelt sich dabei um eine notarielle Urkunde, die im Handelsregister eingetragen werden muss.

Einer der Hauptvorteile einer Aktiengesellschaft ist die herabgesetzte finanzielle Verantwortlichkeit, welcher Aktionäre unterliegen: sie haften nur für ihren Anteil am Aktienkapital. Trotzdem kann bei bestimmtem fahrlässigem Handeln beispielsweise betreffend der Buchführungspflicht oder im Falle einer Straftat die Geschäftsleitung jedoch mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden.

Darüber hinaus werden Aktionäre, die innerhalb ihrer AG arbeiten, als Arbeitnehmer betrachtet. Sie haben daher Anspruch auf die mit dieser Rechtsform verbundenen Sozialleistungen und sind daher pflichtversichert.

 

Was die Steuern anbelangt, so bietet auch hier die Rechtsform der AG einen wichtigen Vorteil: Die Progressivität (d. h. die Erhöhung der Steuersätze für die höheren Gewinnanteile) kann nämlich durch die Aufteilung der Gewinne ein Stück weit durchbrochen werden.


Die Nachteile der AG

Um eine Aktiengesellschaft zu gründen, muss ein Mindestkapital von CHF 100'000.- eingebracht werden. Dies ist eine beträchtliche Summe, die bei der Budgetierung der Gründungskosten berücksichtigt werden muss. Es ist jedoch nicht notwendig, diese Summe in bar zu bezahlen: es ist möglich, das Kapital in Form von Sacheinlagen zu erbringen wie beispielsweise Maschinen oder Immobilien.

Beachten Sie ebenfalls, dass die mit dieser Rechtsform verbundenen Verwaltungsgebühren hoch sind. Es besteht eine Verpflichtung, dass eine Aktiengesellschaft Geschäftsberichte erstellen muss, eine Hauptversammlung einzuberufen hat, Steuerformulare erstellt und gegebenenfalls ein Revisionsunternehmen mandatiert.

Darüber hinaus unterliegen Unternehmen, welche die Rechtsform der AG wählen einer Doppelbesteuerung von Ertrag und Kapital der AG. Sie müssen eine Einkommenssteuer (Dividende) und auch eine Steuer auf das Vermögen der Aktionäre bezahlen. Wenn Sie sich für die Rechtsform einer Aktiengesellschaft entscheiden, sind Sie darüber hinaus verpflichtet, strenge Massnahmen in Bezug auf die Buchführungspflichten gemäss Obligationenrecht zu befolgen. Beauftragen Sie einen kompetenten Buchhalter damit, welcher Sie bei dieser Aufgabe begleiten wird.


Checkliste, um seine AG aufzubauen

Nach Abwägung der vielen Vorteile, aber auch der Nachteile in Bezug auf die Gründung einer Aktiengesellschaft ist es an der Zeit, voranzukommen. Um Ihre AG aufzubauen, sind die folgenden Schritte unerlässlich.


1. Budgetierung der zu erwartenden Gründungskosten

Dies ist ein zwingender Schritt bei der Gründung eines jeden Unternehmens. Zunächst einmal wird es wichtig sein, Ihre Gründungskosten zu budgetieren. Dieser Schritt ermöglicht es Ihnen, eine möglichst exakte Prognose zu erstellen und den Finanzierungsbedarf Ihres Projekts genau zu kalkulieren.

Dies ist ein entscheidender Schritt, der Ihnen die Möglichkeit gibt, ein Unternehmen langfristig aufzubauen. Planen Sie sämtliche Kosten ein: wie z.B. Kosten für die Marktstudie, Kosten für die Erstellung Ihres Businessplans, Kommunikationskosten, Erstellung einer Website, Verwaltungskosten, Eintragung ins Handelsregister, Notariatsgebühren, Eintragung Ihrer Marke oder Ihres Patents usw. Desto detaillierter diese Aufstellung ist, desto genauer kann Ihr Budget bestimmt werden.


2. Bestimmung des Firmennamens

Sobald Sie das Gründungsbudget zusammengestellt haben, ist es an der Zeit, einen geeigneten Firmennamen zu finden, den Sie für Ihre Aktiengesellschaft verwenden werden. In der Wahl sind sie völlig frei. Bedenken Sie, dass der Firmenname, den Sie wählen, eine wesentliche und durchaus eine Rolle mit Symbolcharakter beispielsweise in Bezug auf die Werbung hat. Er repräsentiert das Image und die Vertrauenswürdigkeit Ihres Unternehmens. Bevorzugen Sie einen Namen, der sich auf die Tätigkeit, die Dienstleistung oder das Produkt Ihres Unternehmens bezieht. Auf diese Weise können Ihre Kunden und Interessenten direkt nachvollziehen, worum es in Ihrem Unternehmen geht: Transparenz ist deshalb das Gebot der Stunde!


3. Bestimmung der Höhe des Kapitals und der Organe

Als nächster Schritt folgt die Bestimmung der Höhe Ihres Aktienkapitals. Es wird sich als notwendig erweisen, über die Aufteilung der Anteile und deren Leistung zu informieren und entscheiden.

Um festzustellen, wie Ihr Unternehmen funktionieren wird, ist es unerlässlich, die Organe zu bestimmen, aus denen es sich zusammensetzt: Sie müssen den Verwaltungsrat und die Revisionsstelle ernennen. Definieren Sie in diesem Stadium auch eine Person oder Personen, die zur Unterzeichnung der offiziellen Dokumente der zu gründenden Aktiengesellschaft befugt ist bzw. sind.


4. Auswahl Ihres Finanzpartners

Um den Prozess der Gründung Ihrer AG voranzubringen, ist es danach sinnvoll, eine Bank auszuwählen, bei der Sie Ihr Gründungskapital hinterlegen möchten.


5. Abfassung der Gründungsurkunde und der Statuten

Um Ihre AG zu gründen, sind Sie verpflichtet, die Gründungsbeschlüsse und die Statuten der Gesellschaft zu erstellen.

In den Statuten Ihrer Aktiengesellschaft müssen folgende Elemente zwingend enthalten sein:

  • der Firmenname

  • der Gesellschaftszweck

  • der Geschäftssitz

  • die Vertretungsbefugnisse der Organe der AG

  • die Höhe des Aktienkapitals

  • die Anzahl an Aktien

  • die Versammlungsbedingungen der Generalversammlungen

  • die Ernennung eines oder mehren Verwaltungsräten

  • die Ernennung eines allfälligen Rechnungsprüfers

Die Gründungsurkunde enthält die grundlegenden Bestimmungen über die Organisation, das Vermögen und den Zweck der Gesellschaft. So enthält sie verschiedene Informationen, wie z. B. die Höhe des Kapitals, den Zweck der Gründung, den Namen und den Sitz des Unternehmens sowie die Organisation und die Verwaltung des Unternehmens.


6. Organisation der Gründerversammlung

Um die Verwaltung und den Betrieb Ihres Unternehmens zu optimieren, ist es unerlässlich, die Gründungsversammlung sorgfältig zu organisieren. In einer Aktiengesellschaft wird die Hauptversammlung der Aktionäre durch den Verwaltungsrat einberufen.

In bestimmten Ausnahmesituationen kann die Versammlung jedoch durch den Rechnungsprüfer einberufen werden. Jeder Aktionär, der mehr als 10% des Kapitals hält, kann vom Verwaltungsrat die Einberufung einer Hauptversammlung verlangen.

Dem Verwaltungsrat muss mindestens ein Mitglied angehören. Darüber hinaus kann nur eine natürliche Person zum Verwalter einer Aktiengesellschaft ernannt werden. Es ist zu beachten, dass mindestens ein Mitglied des Verwaltungsrates in der Schweiz wohnhaft sein muss.


7. Veranlassung der Eintragung Ihrer AG in das Handelsregister

Der nächste Schritt bei der Gründung Ihrer AG ist die Eintragung in das Handelsregister. Diese Eintragung dient unter anderem Ihrer Vertrauenswürdigkeit gegenüber Dritten: Wenn Sie ein Bankkonto, ein Postfach oder eine geschäftliche Telefonnummer einrichten möchten, ist diese Eintragung ins Handelsregister von erheblichem Vorteil!


8. Freigabe der Zahlung von Aktien

Der nächste Schritt bei der Gründung Ihrer Aktiengesellschaft besteht darin, das Geld auf dem Sperrkonto der von Ihnen gewählten Bank freizugeben. Dazu müssen Sie lediglich einen Auszug aus dem Handelsregister vorlegen.


9. Erstellung einer Aktienurkunde und Eröffnung eines Aktienregisters

Seit der Revision des Aktienrechtes per 1. Juli 2016 müssen Aktiengesellschaften ein Aktienregister führen. Dieses Dokument nennt die Namen und Adressen der Eigentümer und Nutzniesser von Namensaktien.


10. Anmeldung bei der Ausgleichskasse

Wenn Sie eine neue Firma gründen, stellt sich die Frage nach der AHV/IV und EO.

Jeder Arbeitnehmer, der in Ihrer AG arbeitet, muss bei der Ausgleichskasse angemeldet werden. Es wird auch notwendig sein, folgende obligatorische Versicherungsverträge abzuschliessen:

  • BVG (Gesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge)

  • UVG (Unfallversicherungsgesetz).

Als Gründer gelten Sie ebenfalls als Arbeitnehmer. Deshalb müssen Sie diese Schritte in jedem Fall unternehmen, auch für sich selbst.


11. Die Mehrwertsteuerpflicht

Je nach dem Bereich, in dem Sie tätig sind, müssen Sie Ihre Mehrwertsteuerpflicht klären. Wenn Sie mehrwertsteuerpflichtig sind, müssen Sie Ihre Erklärung bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung einreichen.


Schlussfolgerung

Wenn Sie eine AG gründen wollen, sind diese wenigen Schritte unerlässlich. Auch wenn es viele Punkte zu beachten gibt, kann diese Unternehmensform ein echter Vorteil für den Ausbau Ihres Unternehmens sein!

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